Utsukushii Kotoba – Beautiful Japanese

Have you ever found a beautiful Japanese word? Japanese language can be roughly divided into so-called wago and kango – words which have a Japanese origin, and those which are Japanized loanwords from China. The latter ones are like Latin or Greek in European languages and serve similar purposes. There is often a Japanese expression which can be replaced by a Chinese kango, or vice versa, just as you can replace beginning with inception.

I noticed recently that I like the sounds of original Japanese words better than those from China. Kango are precise and short, and you can piece them together like lego bricks: Bi-Shô – the smile.  – copper.  Kan-Tan – easy. Kon-Nan – difficult. Sei-Fu – the government.
Oftentimes, the Japanese expressions for the same things are the exact opposite. Long and melodic and soft. Like pearl strings that you connect to each other in a row: Hohoemi – the smile. Akagane – copper. Yasashii – easy. Muzukashii – difficult. Matsurigoto – the government. To me, their archaic long-windedness is a point that adds to their beauty. They do not quite fit to the short attention span and economical thinking of our present-day. Kango are very suitable for science, philosophy and trade. Wago only seem to be good for describing nature. It’s completely useless for technology. A simple word like electron would be a challenge to be expressed through wago alone, while it is rather easy to pull out two pieces of Chinese and create a perfect expression (denshi 電子, by the way). And this effective modular system can be even shortened down. Genshiryoku-Hatsuden-Sho (原子力発電所) – which means “nuclear powerplant”- is often abbreviated to a snappy genpatsu (原発).
Another example: For “physical strength” you would use two Chinese characters and simply say tairyoku (体力), which is a four syllable word. In Japanese you would need to say karada no chikara (からだのちから). Seven syllables. No one wants to lose time, so you go with four. That saves a little bit of tairyoku, too.

I know, I know, Chinese loanwords are so engrained into Japanese that nobody feels uncomfortable using them or considers them as some exotic import. Rather would it be unnatural to swap them for obsolete Japanese words. And I certainly have no sympathy for those who cling to furuki-yoki, “good old”, Japanese culture for no good reason. Language changes and wago and kango alike sound much different than 1000 years ago anyway.

However, the more wago I encounter the deeper I feel touched by their poetic expressiveness, in sound and meaning, especially when it comes to verbs and adjectives. To me, they feel more organic, as if re-invoking the sensibility of people who lived close to nature. There is a beautiful verb for the dawning night, when the day enters twilight: tasogareru. There is also a verb that describes the cherishing of nostalgic feelings, or the longing for something gone by: natsukashimu. Sometimes, wago are straight to the point.
Ancient Japanese believed in kotodama, the magical, spiritual power of words. Maybe that’s why they sound so poetic to me. When they named the world around them, they clothed it into these beautiful, simple sounds. Sumire-iro for “violet”. Oborozuki for “a moon veiled in clouds”. Kagayaku is when something shines brilliantly. Mabataku means “to blink” your eyes, but then you use it to express things like “a flickering lamp”, mabataku tomoshibi or “the twinkling stars”, mabataku hoshi-tachi.

I think most people unfamiliar with the Japanese language have the image of it being a hectic shing-shang-shong. Well, the hyperbolic use of high-pitched ad messages in tv and pop music does not exactly help making people notice the beauty of words like uruwashii or ôunabara. Hearing a new word that beautiful can make me almost cry. And when I listen to a song like “Koi wa momo-iro” (“Romance is peach-colored”), whose lyrics are almost entirely made up of wago, I believe they strike right into my emotions because of their simplicity and tenderness:

Performed by Hosono Haruomi and Yano Akiko


And I am still looking for good contemporary Japanese poetry…

Der breite und der schmale Weg

Ich erinnere mich. Gemeinsam mit dem rituellen Gutenachtgebet, mit dem mich meine Mutter allabendlich in den Schlaf entließ, war der Besuch in einer freien Kirchengemeinde in Heidelberg meine vermutlich früheste Begegnung mit dem Christentum. Ich war noch sehr klein, aber rieche noch jetzt die gelben Wände des Raumes, in den wir Kinder während des Gottesdienstes gebracht wurden. Weißes Licht kitzelte die Topfplanzen auf dem Fensterbrett und mir auf der Nase. Während eine Nonne auf uns acht gab kämpfte ich mit zusammensteckbarem Plastikspielzeug, das aus roten, blauen, gelben Plättchen bestand, gegen die Langeweile an. Ich war nur ein paar Mal dort.

Richtig los ging es erst in jener Bible Belt-beeinflussten Freikirche am Stadtrand – Religiöser Fundamentalismus zwischen Autohaus und Heimwerkermarkt. Die zweite Etage eines Verlagsgebäudes diente den zwei, drei Dutzend Mitgliedern als Versammlungsort. Es gab mehrere Räume für Besprechungen, Gebetstreffen, Sonntagsschule (von “Kindergottesdienst” war noch nicht die Rede) und einen so schmucklosen wie muffigen Predigtraum. Der deutsche Pastor war so amerikanophil, dass er sich während seiner Studienjahre in den USA einen entsprechenden Akzent zugelegt hatte. Hier lernte ich das kennen, was ich für lange Zeit für das “wahre” Christentum hielt: wortgläubig, weltfremd, konservativ. Anschaulich dafür war “Der breite und der schmale Weg”.

Das Farbposter, welches diesen Titel trug, hing bei uns zu Hause an der Wand. Es war ein Nachdruck eines bekannten Bildes aus dem 19ten Jahrhundert. Auf ihm dargestellt war das dualistische Denken dieses Christentums durch zwei “Lebenswege”. Der urbane breite Pfad, der mit vergnüglichen Lastern lockte, führte vom unteren Rande des Bildes hoch zu einer von Dämonen umflatterten Höllenfestung. Den anderen musste man durch eine schmale Pforte betreten. Er glich eher einem Wanderpfad und gipfelte natürlich im himmlischen Jerusalem. Garniert mit allerlei Bibelversen in Frakturschrift lehrte mich das Poster, dass es im Leben keinen Mittelweg gab, sondern nur zwei Extreme – entweder war man ganz der sündigen “Welt” verschrieben oder aber ganz ein in allen moralischen Fragen überlegener Christusjünger. Monotone Predigten und Sonntagsschulstunden taten ihr Übriges, um dieses simple Gut-Böse-Muster mit noch kleinkarierteren Kontrasten zu versehen.

Der_breite_und_der_schmale_Weg

Bei den baptistischen Freikirchlern lernte ich das biedere Prä-68er-Lebensverständnis des fundamentalistischen Flügels kennen: Von den unfreiwillig komischen Chick-Traktaten, die Kinderseelen traumatisierten, über die Körperfeindlichkeit, das Schwelgen in Selbstgerechtigkeit gegenüber der schlechten Welt und den falschen Kirchen nebenan, bis hin natürlich zu der Abscheu gegenüber den Kulturleistungen des 20ten Jahrhunderts, wie Rockmusik und abstrakte Malerei, die den als Frömmigkeit deklarierten Stumpfsinn hätten entlarven können. Es war allerdings weniger diese fortschrittsfeindliche Antikultur die mich beeinflusste – gottlob lieferte die Welt der japanischen Fernsehserien mit denen ich auch aufwuchs ein effektives Gegengift – als die paranoide Weltanschauung dieser Christen. In ihr vermengten sich vielleicht deutscher Pietismus mit der Rückwärtsgewandheit der amerikanischen Evangelikalen, die jedes i-Tüpfelchen der Bibel als von höchster Stelle authorisiert betrachten und sich keine Zweifel bezüglich ihres historischen Wahrheitsgehaltes erlauben.

Der Einfluss Amerikas war stets gegenwärtig. US-Missionare gehörten zum Stammpersonal. Die besonders kirchentreuen Jugendlichen träumten davon, eines Tages in der Bob Jones Universität zu studieren. Erbauliche Musik kam ebenso aus dem Gelobten Land wie lehrsame Literatur: Über die wissenschaftlichen Grundlagen des Kreationismus. Über die schädlichen Einflüsse von Hollywood und Popmusik. Über die Irrlehren der großen Hure Babylon – pardon, der Katholischen Kirche. Über die prognostizierbaren Termine der Wiederkunft Christi. Über die Machenschaften von Regierungshäuptern und Medienmogulen, die mit dem Antichristen an der Spitze eine globale Christenverfolgung einleiten würden. Wer genug gelesen und gehört hatte wusste bescheid, dass Hitler, Mohammed, der Papst und John Lennon alle mit Satan im Bunde gewesen waren, dass wir uns im Kreuzfeuer des kosmischen Dauerkriegs zwischen höllischen und himmlischen Gewalten mit der Waffenrüstung Gottes zu wappnen hatten, dass das Böse immer im Begriff war die himmlische Ordnung zu vernichten, sei es durch die Loveparade oder die Freimaurer. Was die fundamentalistisch-evangelikale Theologie aus Amerika anbot war nicht einfach nur Regelwerk für ein “bibel”treues Leben, sondern ein apokalyptisches Moralpanorama, welches hinter jeder Nachrichtenzeile die Kräfte einer dämonischen Verschwörung am Werke sah. Wahren Christen wurde Eintritt in dieses Geheimwissen gewährt, anhand dessen sich die so furchtbar komplizierte Welt herrlich einfach erklären ließ.

Natürlich sieht jede Religion die Welt durch eine bestimmte Brille, und mit ihr das Wirken des Unsichtbaren. Hier jedoch wurde eine Narrative heraufbeschworen, die klare Grenzen zwischen Us and Them definierend das gesamte Weltgeschehen endzeitlich umdeutete. Das Gedankengut dieser Subkultur unterwandert mal in abgemildeter, mal in agressiver Form den Common Sense der protestantischen Kirche weltweit. Mit den Spinnereien eines Tim LaHaye, eines Benny Hinn, eines Pat Robertson, gesülzt in eine martialische Sprache, die zu “geistlicher Kriegsführung” aufruft, vollzieht die evangelikale Theologie eine schleichende Radikalisierung der moderaten und die Fanatisierung der unmündigsten Gläubigen.

Die pessimistische Ideologie dieses anschwellenden Nebenstromes der Christenheit hat in mir Leerflächen hinterlassen. Ich denke, zwar, dass mein Glauben heute von jenen beengenden Dogmata, von Homophobie und vertrockneten Geschlechterbildern, vom Bild eines autoritären Bestrafergottes, weitgehend befreit ist. Doch das Misstrauen gegenüber Politik, Wissenschaft und Technologie, und die Erwartung des nahenden Weltuntergangs sind geblieben.

Es gab eine ganze Reihe ähnlicher Gemeinden in Heidelberg, von denen die “freie christliche” noch nicht einmal die reaktionärste war. Die Frauen durften keine Hosen tragen, aber es bestand immerhin keine Kopftuchpflicht, wie bei den Russlanddeutschen einen Block weiter. Und obwohl einige der jungen Männer mit ihrer Bundeswehrzeit prahlten (was nichts half, da ihr Schicksal, mit den Mädchen aus derselben Gemeinde weitere Großfamilien zu gründen, bereits besiegelt war), hatte ich immerhin nie den Eindruck von Deutschtümelei oder gar Ausländerfeindlichkeit, wie man sie bei anderen christlich-konservativen Parteien und Gruppierungen vorfindet (wie zB bei den Redakteuren des Hetzerblogs PI-News).

Bei allen negativen Aspekten, die ich mit dieser Art von Christentum verbinde, man darf eine Gemeinde nicht nur an ihren extremsten Mitgliedern messen. Außer den Hardlinern gab es natürlich die besonnenen, von Herzen guten Gläubigen, denen es ziemlich egal war, ob die Arche Noah nun bald gefunden wird oder nicht. Was mir deshalb ebenfalls in Erinnerung geblieben ist, sind die Freundschaften und Beweise der christlichen Nächstenliebe. Die Mitglieder unterstützten einander aufopferungsvoll mit Diensten und Materiellem. Nie werde ich vergessen, dass der Pastor mit zwei Kisten voller Lebensmitteln an unserer Haustür stand, als meine Familie in Not war. Ich wurde für eine Woche Mitglied einer amerikanischen Missionarsfamilie, als meine Mutter arbeitsbedingt verreisen musste (mein muffinbesetzter Ausflug in die amerikanische Lebensart). Bei Problemen oder Bitten war eine helfende Hand nie weit. Das Engagement für Kinder und Jugendliche, die “Missionseinätze” auf den Straßen und in Altersheimen, das war nie Zurschaustellung sondern kam aus echter Überzeugung heraus, Menschen etwas Gutes zu bringen. Von einer gefährlichen Sekte oder ähnlichem zu reden wäre deswegen trotz allem unangebracht.

Im Nachhinein bin ich vor allem dankbar für das Bibelwissen, das uns in der Sonntagsschule (zu einer Uhrzeit in der man lieber den Disney Club geschaut hätte) nahegebracht wurde. Weil eines der bärtigsten Mitglieder meine Mutter dazu überredete für viele deutsche Mark Kinderhörspielkassetten mit Bibelgeschichten zu kaufen, wurde ich mit Abraham und den Pharaonen so vertraut wie andere Kinder mit Bibi Bloxberg. Ich war zehn, als ich mich für die Taufe entschied.

Schlussendlich wurde uns das stickige Klima der Gemeinde mit wachsenden Machtgeklüngel und Widersprüchen zu viel. Wir verließen sie etwa 1996. Weil unser Sozialleben so sehr in sie verwoben war, dauerte es, bis Distanz gewonnen war. Doch jemandem wie mir war die evangelische Landeskirche so fremd wie eine Moschee. Eine Zeit lang driftete ich von einem Angebot des fundamentalistischen Spektrums zum anderen, von der ultrakonservativen Brüdergemeinde in der Innenstadt zum agitatorisch-hyperaktiven Gospel Center neben dem Aldi. Erst als ich mit vierzehn die Freie evangelische Gemeinde Heidelberg fand, die sich zwar als evangelikal bezeichnete, aber ein völlig anderes Milieu aufwies, konnte ein geistlicher Genesungsprozess beginnen. Ich war nicht allein: andere ehemalige Mitglieder meiner früheren Gemeinde waren schon vor mir angekommen um freier zu atmen als je zuvor.

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Unter Grund

Die meisten der Menschen, die täglich in den Tôkyôter U-Bahnen stumpf vor sich hindämmern, oder sich in Comics oder das Schminkkästchen vertiefen, bemerken es nicht, doch jeder Zug besitzt einen ihm eigenen Klang. Alle Wagons knirschen metallisch wie morsche Kähne und zischen wenn sie die Türen aufspringen lassen. Aber jeder tut es mit anderen Nuancen. Auf dem Weg nach Sendagi, zum Beispiel, gibt es eine Bahn, die beim Halten mit der Stimme einer erschöpften Greisin ein “Ächhhh” ausstößt. Einmal hörte ich auf der Marunouchi-Linie ein Summen, wie ein Kinderlied. Ich konnte es mir nicht erklären. Es kam aus der Ecke, wo ein Wagon mit dem anderen verkuppelt ist, gleich neben der Fensterscheibe. Es war nicht die zwischen zwei derilierenden Krawattenträgern eingeklemmte Tante, sondern die Ecke selbst, die vor sich hinsummte. Die Eisenbahnen hier, sie atmen, sie singen.
Die sich bei jeder Zugfahrt wiederholenden Klänge erzeugen im Ganzen gesehen einen einzigen langen Rhythmus: Das Klirren der Schienen, wenn die Bahn vor der nächsten Station die Geschwindigkeit drosselt, und das sich mit den Bahnsteigtönen langsam vermischt, wenn das Gefährt dann anhält und sich die Türen zeitgleich mit der Stationsansage auftun, das Ineinandergreifen von Bolzen, hydraulischen Pumpen, Scharnieren und die vielstimmigen Klingelwarnungen kennen ihre Abfolge, und wenn es dann mit eingeübter Wortwahl und  Silbenmodulation gesungenen Meldungen weitergeht, der Zug beschleunigt und den Nachhall kreischender Kurven hinter sich lässt um bei einfachen Geraden ein sicheres Ticken vernehmen zu lassen, unterbrochen vom plötzlichen Hupen entgegenkommender Bahnen, die für weniger als einen Augenblick vorbeirauschen, dann agiert jeder Zug als ein Klangkörper, der wie auf einer Spieluhr die charakteristische Melodie einer Strecke, einer Tonspur sozusagen, interpretiert.

Indem sie täglich mehr als sechs Millionen erschlaffte Körper kreuz und quer durch die Schächte befördern leisten die U-Bahnen Knochenarbeit. So ertönt in der Stadt unter der Stadt ein unentwegtes Kratzen, Quietschen, Kreischen, Seufzen, Klappern, Schaben, Dröhnen, Säuseln, Rumpeln. Metall und Luft und Plaste und die automatischen oder echten Stimmen der Durchsagen halten nicht still, als strengten sie sich an, das kollektive Schweigen der einander fremden Menschen zu übertönen. Selbst wenn man sich zur Stoßzeit auf den Weg nach Shinjuku macht und den ewig gleich aussehenden Büroangestellten auf die Zehen tritt, herrscht nämlich Totenstille. Man ist eben – wenn auch nur zeitweise – unter der Erde, in rollenden Sarkophagen. Es gibt Tage, da halte ich das Schweigen so vieler apathisch wirkender Leute um mich herum nicht aus, möchte jeden anbrüllen und an den Haltegriffen toben.

Es hieß einmal, dass nirgendwo so viel gelesen wird wie in den Zügen von Tôkyô. Dass muss vor dem Siegesmarsch der Mobiltelephone gewesen sein. Heute versenkt die HäIfte der Passagiere ihre Augen nicht mehr in Taschenbücher, sondern in Videospiele, Nachrichten, Mitteilungen, Pornographie und 1seg-Fernsehen. Der Rest hält sie in einem echten oder vorgetäuschten Schlaf zugedrückt. Überhaupt der Schlaf in den Zügen… Dann und wann frage ich mich, ob die in einem Wagon zur gleichen Zeit geträumten Bilder sich aus einem großen Metatraum speisen, welcher als das Spukwerk eines bösartigen kami durch das Stollenlabyrinth mäandert.
Chris Marker erzählt in “Sans Soleil“:

Mehr und mehr meiner Träume finden ihre Schauplätze in den Kaufhäusern von Tôkyô, den unterirdischen Tunneln, die sie erweitern und parallel zu der Stadt verlaufen. Ein Gesicht erscheint, verschwindet … eine Spur ist gefunden, ist verloren. Die ganze Traumfolklore ist so genau an ihrem Platz, dass ich am nächsten Tag, wenn ich wach bin, bemerke, dass ich in dem Kellerlabyrinth jene Gegenwart, die mir in der Nacht zuvor verborgen gewesen war, weitersuche. Ich fange an mich zu fragen, ob diese Träume wirklich die meinen sind, oder ob sie Teil eines Ganzen, eines riesigen kollektiven Traumes sind, von dem die gesamte Stadt die Projektion sein könnte. Es könnte genügen, irgendeines der Telephone, die herumliegen, aufzuheben um eine vertraute Stimme oder das Schlagen eines Herzens zu hören, zum Beispiel das von Sei Shônagon.
Alle Galerien führen zu Stationen; die gleichen Unternehmen besitzen Geschäfte und Eisenbahnenlinien, die ihre Namen tragen. Keiô, Odakyû – all diese Hafennamen. Der von schlafenden Menschen bevölkerte Zug fügt alle Traumfragmente aneinander, macht aus ihnen einen einzigen Film – den ultimativen Film. Die Tickets aus dem Automaten gewähren Eintritt in die Show.

Egal ob Wahnträume oder heilende Halluzinationen durch sie fließen, die Tunnel sind auf diese Weise nicht nur Fleisch- sondern auch Bildadern, die die Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste der Passagiere kanalisieren. Eine dumpfe Gewalt gärender Gespinste, die hinter den Augenlidern zu Tau verwischen.

Manchmal hängt ein stechender Geruch, wie von Bahnhofsklos, in den Wagons. Manchmal führen Männer erbitterte Selbstgespräche. Manchmal verspätet sich die Bahn, weil sich jemand vor ihre zirpenden Räder hat fallen lassen. Dann klingen Ansagen über die Gleise wie Wegen eines jinshinjiko, eines Personenunfalls, verspäten sich die nächsten Bahnen um 20 Minuten. Es darf ausgeschlossen werden, dass die fahrenden Menschen um des Todes eines Unbekannten willen ihr Schweigen brechen. Doch der Unglückszug, und das ist gewiss, hat in jenem Moment mit dem Krachen der Gelenke einen Schrei von sich gegeben, der nur ihm gehört.

Driftwood

AutumnLeaf

For a long time, images of trees have told me of my spiritual state. Years ago, when things weren’t as complicated, I had a strong mental picture of a green tree with fruits, growing by a river, a picture that seemed to come straight from Psalm I. During my confusing time at university, this turned into a bleak autumn tree whose leaves had been scattered around on a concrete ground.
I was therefore alarmed by the vision of a piece of wood that flared up in my mind yesterday evening, when I was sitting in a gaijin bar in Shibuya. A disrooted fragment, floating adrift in the sea. I looked around, looked at those foreigners and half-foreigners – what on earth are they all doing in this city – and wondered if I would ever again find a place that I could call “home”. I feel like a passer-by, observing but never involving, never belonging to somewhere. Aimless. Am I a fig tree without fruits? Am I an abandoned piece of plank, tossed around by the waves?

Has my love struck roots in your heart?

On Sunday mornig, a friend said that I might be from heaven, and though that is a nice thing to be told, it gives me a shiver down the spine. It means that I might have no home to return to until my body turns cold.

Foxes have holes and birds of the air have nests, but the Son of Man has nowhere to lay His head.

The last train was long gone. I decided to walk home. The night was cold. I recognized places I knew – Aoyama Itchô-me, near the Goethe Institute, and Tameikesannô where I went to church last year. The wind whirled up leaves and held a plastic bag in the air, kicked it around and pulled it under the wheels of angry cars. I froze as I watched it.

I thought of you in the cold streets. You are in every movement, every memory. When I pour in tea from the teapot, whose lid I can’t find, when I fill the rice bowl that you gave me with tap water, and when I brush my teeth in the evening it is as if you’re there, in the small moves, the procedures of everyday life that we shared. You are there when I eat and drink and sleep, but you are not here and I feel as if everything I do is only done halfway, incomplete, empty. A joyful moment is stale without sharing it with you. If I am the kite you are the string. Your love has struck roots in my heart.

After a two hours walk, I gave up and booked a cabin in one of the manga-internet cafés near Shinbashi station. Sleeping in a manga kissa is much cheaper than taking a taxi. It would have taken me another four kilometres to the Sakura House.

With each passing day in this monstrous city I feel as if I disintegrate into shadows of my real self. I cloak myself with new identities. I speak in tongues alien to me.

Eluding the Sirens of Titan

AlitoAndTheCity

MMX – or –  On the Brink of Madness… This year I’ve listened to necktied businessmen bragging about their yachts, survived six months of room-sharing with an unnerving South-Indian Skype-addict, swayed to Bavarian music at the Oktoberfest in Munich, and started commuting in the rolling sarcophagi of the Tôkyô Underground melting into the millions of dead faces around me, leading to daily daydreams of UFOs, mega-earthquakes and nukes releasing me from this utter insanity.

MMX – and that is also true – The Bliss of Friendship.
Bi-monthly reunions with my girlfriend with whom I share a deeper love than ever before, tons of energy from ARI and uni friends and from new friends at the Tôkyô Union Church (all of them, not the money keep me sane in this phrenesis), and of course the beautiful last days of university where I served as the leader of the Graduate Exhibition and finished my short film “Life on Sirius”, which later led me to an inspiring film festival.

The change that triggered everything was of course my moving from idyllic Kyôto to brain-melting Tôkyô. New life, new work, a new bed next to a three-storeyed highway, and on the horizon I see the SkyTree growing steel brace by steel brace to pour even more brain-melting TV signals to the zombie citizens. As weeks pass by I feel as if a neutron bomb goes off inside my skull, exploding in super slow-motion, peeling my mind away layer after layer. God has led me here to teach me the true values of kindness, relationships, individuality and faith. This is purgatory. I am here to learn and burn. Working at a Japanese company is getting me the insight into what makes this country tick, and what makes me tick. Being rejected at one church and accepted at another helps me clarify my positions. The days of Asian ambiguity are counted. In 2011, I will cut, I will state, I will underline. This country caught in lethargy needs beams of light (Stand up and fight!). There will be good – maybe not by the long-awaited UFO but by letting myself fall deeper into the scare of my Savior. He has helped me regaining strength in faith this year.

MMX – I use Facebook more than before, visited Germany and Holland for a business trip, received advice from Korean artist Lee Chang-Dong, spent a night at an internet café like the thousands of “cyber-homeless”, started reading Herta Müller and Orhan Pamuk, translated Tocotronic albums into Japanese, completed watching a thousand movies, and drank more Starbucks cocoa than ever.

And now the usual balance sheet:

Best Films 2010
“Kokuhaku (Confessions)” by Nakajima Tetsuya, Japan
“The White Ribbon” by Michael Haneke, Germany
“Inception” by Christopher Nolan, USA
“Shi (Poetry)” by Lee Chang-Dong, South Korea
“Redline” by Koike Takeshi, Japan

Best Music 2011
Tocotronic – Schall und Wahn
UNKLE – Never Never Land
Benjamin Herman – Blue Sky Blond
Bassekou Kouyate & Ngomi Ba – I speak Fula
Babylon Zoo – Spaceman
Erykah Badu –  New Amerykah Pt. II, Return of the Ankh

Wishing Everyone a Happy New Year of true Blessing, Love and Discoveries!

Achtens) Begegnungen der Dritten Art

✴  Ein Bakterium stellt das wissenschaftliche Verständnis von Biochemie und lebenden Organismen auf den Kopf. Laut NASA scheint das Leben in extremen Umgebungen und auf anderen Planeten möglich.  ➔Link.

✴ Die Gesamtzahl der Sterne im Universum “ist wahrscheinlich dreimal größer als bisher erkannt.”  Ein Yale-Astronom sagt, dass es “möglicherweise Billionen von Erden gibt, die diese Sterne umkreisen”, was die Möglichkeit der Entdeckung außerirdischer Zivilisationen dramatisch erhöht.
➔Link.

Julian Assange: “Viele Spinner schreiben uns über UFOs. […] Bis jetzt jedoch haben sie unseren zwei Veröffentlichungsregulierungen nicht genügt. […] Es ist jedoch beachtenswert, dass in Teilen der Cablegate-Archive, die noch veröffentlicht werden, in der Tat Verweise auf UFOs sind.” ➔Link.

Dies sind drei der Nachrichtenfetzen, die man Anfang dieses Monats aufschnappen konnte. Ohne gemeinsamen Zusammenhang untereinander deuten sie indirekt auf die gleiche Möglichkeit hin: Dass wir nicht alleine sind im Weltall.
 Ich habe es bis heute nie klar und offen bekundet, doch ich glaube ziemlich fest an außerirdisches Leben. Auch wenn ich von Verschwörungstheorien á la Roswell so gut wie nichts halte, und auch nicht gänzlich von fliegenden Untertassen überzeugt bin.

Im Christentum spielt die Frage nach Leben im Weltall (verglichen mit der des Lebens nach dem Tod) eine mehr als untergeordnete Rolle. Es ist als blende man als Christ dieses Thema automatisch aus – Das Evangelium, “unser” Gott ist für Menschen da. Die Bibel mag an ihren funkigsten Stellen himmlische Seraphen, gyroskopisch fliegende Gottesthrone und die Ungeheuer des Abyssos kennen, doch bezüglich möglicher Nachbarn in Alpha Centauri schweigt sie.
Was mich von außerirdischen Zivilisationen überzeugt sind jedoch die alle Vorstellungskräfte übersteigenden Ausmaße des Universums, seine 170 Milliarden Galaxien, gesammelt aus hunderten Trillionen von Sonnen, also die rechnerische Wahrscheinlichkeit, dass es außer der unseren noch viele Milliarden andere Erden mit großartigen und abartigen Geschöpfen geben muss.
Es ist alles eine Frage der Statistik. Den Gedanken, dass ein allmächtiger Gott, dessen Wesen es ist, dem Leben in unendlicher Vielfalt Form zu verleihen, sich auf die Gegebenheiten eines einzigen Planeten beschränken sollte, finde ich schlichtweg nicht haltbar. Ich sehe das Weltall als seine gigantische Werkstatt, in der er dem Leben mannigfache Entfaltungpotentiale bereitstellt, ganz gleichgültig, ob diese je einander begegnen oder nicht. Dass wir in Gesellschaft ungezählter Nachbarn sind, die sich wie wir seit tausenden von Generationen der Poesie, der Mathematik und der Nautik widmen, erachte ich für mehr als wahrscheinlich, und dass einige davon uns zivilisatorisch um vielfaches überlegen sind, ebenfalls.

Mit der nicht einmal einhundert Jahre zählenden menschlichen Raumfahrt haben wir den Mond betreten und Kometenstaub gesammelt. Welches Können besitzen erst jene Sternenvölker, die seit Eintausend oder Zehntausend Jahren Astronautik betreiben? Wenn die intellektuelle wie technologische Diskrepanz zwischen uns und ihnen so groß ist wie die, sagen wir zwischen einer afrikanischen Steppentermite und dem Chefarchitekten des Burj Khalifa, dürfen wir getrost von der Existenz intergalaktischer Verkehrswege ausgehen, und davon, dass ihnen Raumschiffe, Warpportale, Zeitmaschinen und andere Magien zur Verfügung stehen, um gewaltige physikalische Hindernisse zu überwinden. Wir können nicht einmal ausschließen, dass bestimmte astronomische Phänomene, die wir beobachten, in Wirklichkeit gesteuert sind, dass hinter Gammablitzen und Sonnenbeben nicht etwa die großräumigen Pläne göttergleicher Astroingenieure stecken. Vielleicht experimentiert im Orionnebel ein Volk mit Stellargenese oder benutzt schwarze Löcher zur Kriegsführung. Vielleicht befinden sich Teile unserer Milchstraße unmerklich (weil als natürliche Prozesse kaschiert) im Umbau und die UFOs, die gelegentlich in Erscheinung treten, sind automatische Vermessungssonden.

Galaxy-NGC1300

Hier werden neue Sterne geboren: Die Balkengalaxie NGC 1300, 61 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.


Gesetzt den Fall, dass in der nächsten Zeit die Existenz außerirdischen Lebens (egal ob Marsmikroben oder galaktische Weltenzerstörer) von der Forschung oder Wikileaks enthüllt werden sollte, die Religionen wären  gezwungen, ihre Verständnisse von Gott und dem Menschen neu auszurichten. Das Christentum zählt mit seinen abrahamitischen Brüdern traditionell nicht zu den Religionen, die im Weltall den Lebenshauch Gottes  zu finden erwarten. Es würden sich grundlegende Fragen aufdrängen:
Hat das Universum einen großen Gott, der für Menschen wie Außerirdische gleich bedeutend ist – oder gibt es eine Klasse von Lokalgottheiten, die sporadische Schöpfungsakte dirigieren? Was unterscheidet Lebensformen mit göttlichen Potentialen (Manipulation von Naturgesetzen, gewaltige Energieressourcen usw) von Göttern? War der Urknall eventuell das Resultat einer hyperkosmischen Übung, so wie sie auf kleinerem Maßstab am schweizer Forschungzentrum CERN stattfinden? Wird Gott interplanetare Begegnungen dulden oder würden wir damit einen weiteren Sündenfall begehen? Oder sind wir als Spezies prädestiniert dazu, uns gemeinsam mit anderen fortzuentwickeln? Sollten wir dann außer ihrer Technologie auch ihre Philosophien und Religionen übernehmen, ja vielleicht sogar nach biologischer Verschmelzung streben? Welche Moral tritt in Kraft, wenn man, von Außerirdischen bedroht, sich gewaltsam verteidigen muss?
Am absurdesten ist hier die Frage nach dem Heil: Gilt der Sühnetod Christi exklusiv für die Menschen – oder gibt es auf anderen Planeten weitere Erlöser, Inkarnationen und Avatare Gottes, die die Sünden der jeweiligen Zivilisation auf sich nehmen müssen? Es ist interessanterweise die katholische Kirche, die zu diesem Thema Stellung bezieht. Der vatikanische Chefastronom Pater José Gabriel Funes schließt nicht aus, dass andere Lebensformen der Erlösung nicht unbedingt bedürfen, weil sie womöglich keinen Bruch mit dem Schöpfer erfahren haben.

Für die evangelikal-fundamentalistische Strömung des Christentums wäre dies alles ein herber Schlag: Neben der von der Erde als Ausgangspunkt des Universums abgeleiteten Sechstageschöpfung müsste auch ihr vorkopernikanisches Denken, in dem der Mensch doch mit dem Sündenfall maßgeblich das Schicksal des Universums beeinflusst, ja die Existenz von Tod und Verdammnis selbst in Gang gebracht hatte, und für den bereits das Ende der Welt und eine neue Erde und ein neuer Himmel auf dem Fahrplan stehen, wieder einmal als Kartenhaus zusammenklappen. Schlimmer noch: Warum hat die Bibel uns alles verschwiegen? Jesus muss doch sicher von den Außerirdischen gewusst haben? Wie können wir sie am Besten missionieren? Es würde vermutlich nicht lange dauern bis sich die Mehrzahl der fundamentalistischen Kirchen auch mit dieser Realität abfinden und sie in ihre Bibelbrezel biegen. Der Rest wird die Entdeckungen als satanische Täuschungsmanöver, oder als zu unsicher bzw. unbedeutend abtun.

“Die Himmel ja und die Himmel ob Himmeln fassen dich nicht”. Die Autoren der Bibel sahen Gottes Gegenwart und Kreativität als absolut. Ich persönlich hoffe, dass irgendwann einmal der Kontakt und die Begegnung mit Außerirdischen möglich ist. Es wäre für mich ein Beweis dafür, dass Gottes Wohlwollen dem Leben gegenüber das gesamte Universum durchdringt. Die Erde hinge ansonsten einsam in einer schön anzusehenden aber trostlosen Leere. Vielleicht werden wir uns erst in der Begegnung mit der kosmischen Mitschöpfung wirklich als Menschen erkennen, und die Stufen des Gottesbewusstseins, seiner Vergegenwärtigung, mit ihrer Hilfe etwas weiter erklimmen.


Wenn ich ansehe deinen Himmel, das Werk deiner Finger,
Mond und Sterne, die hast du gefestet,
was ist das Menschlein, daß du sein gedenkst?

Space Battleship Yamato – Can it triumph over corniness?

“Space Battleship Yamato” / 2010. Japan / Yamazaki Takashi / 131 Minutes / Drama


In the year 2199, the Earth’s surface is a radioactive wasteland, deserted from continuous meteorite bombardment by the alien Gamilas race. The last few human survivors have descended underground while others lead desperate battles against the space invaders. One day, disillusioned ace fighter pilot and ex-member of the Earth Defence Force Kodai Susumu (Kimura Takuya) witnesses a space capsule falling from the sky carrying the blueprint for a faster-than-light engine. Captain Okita (famous for his apathy cold-bloodedness in combat and his fake beard) uses this to refurbish the wreck of World War II battleship Yamato into a laser canon-equipped space battleship that soon embarks to the distant planet Iscandar, not for kebab but for getting mankind rescued by the capsule’s mysterious sender… After seriously kicking some Gamilon asses with the Yamato’s new wave motion gun Kodai and his ethnically-cleansed Japanese crew under Captain Okita depart at warp speed for the corniest space adventure of all time.

I always had a love-hate relationship with the original Space Battleship Yamato movies.
The space saga started out as a popular anime series in 1974. Comic artist Matsumoto Leiji was behind the design and the old school battleships and Nazi uniforms of the Gamilas army made the series like WWII with laser guns. The success called for several movie adaptions, each in which the brave Yamato crew gave sacrifices to avert another alien apocalypse. In that way the saga nourished the nostalgia revolving around the actual battle cruiser Yamato, that was sunk by the US Airforce in one of the last big battles of World War II, despite being the mightiest warship ever constructed. Japan may had lost the war, but resurrected as space cruiser with superweapon the science-fiction Yamato transcended the dream of a reinvigorated Japanese military into a cosmic realm, saving whole galaxies from doom. It is interesting to note the parallels of World War II aesthetics in space between the YAMATO saga and STAR WARS which were released at roughly the same time.
Besides feeding a latent nationalism (the theme song became so popular that even the Japanese Navy adapted it), many of the anime movies of the 70’s and 80’s were a trial of patience, with their phlegmatic narration and humorless war settings. With almost three hours, FINAL YAMATO (1983) remains the longest animation movie ever made. On the other hand, the Yamato videos that I had at home were the only food of a teenager hungry for space battles. I knew the Yamato long before I knew the Millennium Falcon, and that’s probably true for most Japanese kids. The films were so exchangable in their apocalyptic scenarios and so long that I could never tell the video tapes apart. Thankfully, Yamazaki Takashi’s SPACE BATTLESHIP YAMATO – the first real-live version – is a much more watchable film, scrapping the lengthy immersions into militaristic cult for a cookie-cutter approach storyline so predictable you don’t have to be a Yamato-fan.

If you are a Japanese under 50, you’re most probably familiar with the Iscandar adventure anyway and need not expect much surprises from this version. In fact, after 40 years of the Yamato franchize, spawning video games, toys and comics there is little new in this movie that could conceal the clear intention of making this battleship merely another box-office vehicle for the production company TBS (Tokyo Broadcast System). Despite its qualities as decent action flick it seems that SBS YAMATO is one of these heartless exploitation movies that are calculated out by a necktied production committee. Just take the next best anime, cast some pop idols, mash insane CG effects together and hire the Aerosmith singer to ensure high revenue, while exercising as little creative imagination as possible.
It’s therefore no wonder that the film shamelessly steals elements from J.J. Abrams’ 2009 STAR TREK (the light effects, the villain spaceships, the free fall to the planet surface, the opening fight) and the re-imagined BATTLE STAR GALACTICA series (virtually every battle scene is a copy-paste from there, even the “Adama Maneuver” on Iscandar’s surface). Since the movie draws so heavily from these, it must be measured by their standards. Plus, all of these three are updates of popular 70’s TV shows. But while the new versions of STAR TREK and BS GALACTICA succeeded in propelling their cult sagas to new levels of excellence, SBS YAMATO remains little more than just another translation from animation to a mainstream action movie, although it gets credit for not sucking completely at it.

The movie actually attempts to keep CGI-laden space fights in balance with human drama. Like in the orginal series, the comradeship of the crew members builds a major part of the story. Uber-sex symbol Kimura Takuya gives Kodai some nice twists as bold but honest leader, and his anger towards Captain Okita (he blames him for abandoning his brother in battle) makes him the only character with a convincing emotional ground. The rest of the ensemble is all cliché and the usual cheeziness. They tried to reinvent Kodai’s love interest Yuki as top pilot and Japanese Starbuck, but forgot to copy all the other antagonies and weaknesses which made the character play in BS GALACTICA so tense. And despite the fate of the Earth at stake, SBS YAMATO also lacks the mood of lurking panic that keeps the audience of BS GALACTICA thrilled throughout.
I also noticed the limited number of sets… whereas in STAR TREK you get a sense of the U.S.S. Enterprise’s roominess, you feel that the Yamato has not much behind its hull. This movie had a pretty high budget for a Japanese film (22 billion yen), so one wonders if all the money has been eaten up by the dozens of CGI-workshops that appear in the credits, or if Kim Tak’s guarantee was so high. I do not want to judge SBS YAMATO too harshly, as it is easy to consume and effects-wise a pretty spectacular work (that wave motion gun rocks!). After an hour I got used to it and was well entertained. But you also have to consider that great CGI work had been done before in the most recent Yamato games and the (unsuccessful) animation movie SPACE BATTLESHIP YAMATO: RESURRECTION (2009) and they recreate the epic scale of the series better than this movie…

Fans of the series will be pleased by the retro style of the production design, from the 70’s  uniforms to the outdated interiors. There is also a plenty of citations from the original movies and tv series. Of course, we have the wonderful music and a destructive grand finale. The live-action film sticks firmly to its anime original(s), and only deviates where it makes sense. The biggest (and only) surprise were the Gamilons. In the original these were just blue humanoids in fascist costumes, here they are more “alien” to a point where some appear as floating energy crystals – pretty cool if you ask me. That doesn’t mean that Kodai’s arch rival Deslar and the Iscandarian Queen Starsha (Matsumoto Leiji had a faible for godlike female characters) do not have clever cameos. I somehow have the impression that this could have been a fabulous movie, if it had bursted the bonds of its own legacy.

It seems my love-hate relationship with the space battleship will continue.

The official English website

Call to Action

My weekend attending the Kyôto International Student Film & Video Festival 2010 was an amazing experience.

It was my first time to be invited to a film festival since high school. I did not win a prize for my film, but I am truly thankful that my little work “Life on Sirius” was among the high-level student movies of the official competition. Plus I am super-thankful for the encouragement I received through sharing time and  thoughts with the other directors from Japan, Indonesia, Poland and Korea. Most of the works I watched represented the unique and passionate world views of the creators, and though each one stood on different coordinates I felt a common understanding, or… consciousness. I could place myself as one legit voice within this community of visual expressionists, and, above all, got reassured that what I do and think is worth doing and thinking. I see one red line and one story here, which my director is guiding me on.

Ever since I left university to stumble through this irreality called Tôkyô I started feeling detached from creating movies, even though or maybe because of my work in the so-called movie industry, which focuses on anencephalous commercial cinema. However, two weeks ago I met my teacher Lee Chang-Dong in Ginza. The advice he gave me and the attendance at the Tokyo FILMeX movie festival brought me back on the right track. What do you want to say? What do you want to do? I am encouraged to bring forth the pictures in my head, to stand for my world view and to present my feelings through better and better works. You’ve got to believe in what you do and what you are. I’ve received so much encouragment. Thank you. I understand. I will continue this way from now on.

KyotoFilmFestival01

The festival lasted for a week, on Saturday there were discussions. 10 of the directors from four different countries were present.


KyotoFilmFestival02

I appreciate the strong doubts about certain aspects of my movie, stated by the jury members Aiuchi Keiji and Andô Momoko, but I also take it as great spur that my old teacher and movie critic Kitakôji Takashi (right) ranked it number 2 in the competition.

洋畫題名日本語改善政策

Spiderman4

原題 “Spiderman 4”

日本語保持復興委員會が送る、「日本語を日本語に戻す市民運動」の最新活動を紹介致します。

現代において最も権力を持つ亞米利加合衆國。その影響力は軍事や經済のみならず、我々日本人の考え方や価値観にも及び、つまり我が日本の良き古き文化が亞米利加のいわゆる”Pop Culture”(庶民文化)に乘っ取られつつあることも紛れもない事實であり、更に其の文化帝國主義の戰線にあるのは聖林(ハリヴッド)活動寫眞であります。そして其の題名がこの数年の間にもはや翻譯されずにもただ單に片假名英語として宣傳されることが多く、日本の活動寫眞が英語の題名を持つ程この美しい日本語を亂していることも確かであります。正に日本人の心に毒薬を注ぐ娯樂である一方、我が國に少なくない商賣であることも否定できません。ということで、米國活動寫眞に完全に打ち勝つまでに少なくともそれぞれの作品の題名を分かりやすく明白な日本語題名に譯することが日本語保持復興委員會の一つの大事な政策となっております。何卒宜しくお願い申上げます。

TheMatrix

原題 “The Matrix”

IndependenceDay

原題 “Independence Day”


Watchmen

原題 “Watchmen”

トコトロニックの『どうでもいい、けど』

EsIstEgalAber-banner

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「どうでもいいけど、こんな風じゃやっぱ嫌だ」は、トコトロニックの飽きれた世界観を一つのスローガンとしてまとめたタイトルを持つ四つ目のスタジオ・アルバム。 この1997年のアルバムはトコトロニックのハンブルク時代の典型的なスタイルを代表する。ギターとボーカルを担うディアク・フォン・ローツォーの他にベースのヤン・ムラも何曲を歌うが、このアルバムで最後になる。

前のアルバムよりも歌詞と音楽が洗練されていることが当時にも認められたらしいが、現在の彼らの音楽とずいぶん違って、「僕の人生最高の一日」、「いつまでも君の敵」、「ロータリ・クラブでの夕べ」、これらの曲のなかに日常叙情詩のように描かれた世界はまるで少年の日記から切り取った何気ない出来事が語られる。ぎくしゃくした人間関係を主に内容とする17曲がだいたい3分を超えない。幾つかの歌にハーモニカや弦楽器といった新しい楽器を活かそうとする一方、三羽の小ガモが写ったアルバム・カバーのフォーカスの甘い写真が暗示するようにトコトロニックはこの時点でもアマチュア・バンドのイメージを保ち、安いドイツ語ダジャレを使ったり、ライブでは必ずダサい感じの古着Tシャツを着たりして、ロック・バンドであることがいかに面倒くさく有りがちな試みかという態度を見せる。この後は初のアメリカツアーにも出かけて、ブルームフェルトゥディ・シュテアネと並ぶ社会批判を発揮するドイツ語アンダーグラウンド音楽を象徴するいわゆる「ハンブルク学派」の大黒柱と評価されていた。

今回もなるべく元の歌詞に忠実に訳したので、いつもよりラフな言葉遣いと省略された表現が目立つ。これでしばらくトコトロニックの翻訳作業から休みます。日本語の勉強のために四つのアルバムも翻訳した。彼らの最新作 ”Schall und Wahn” 『響きと怒り』は2008年の『降伏』からまた、象徴の森への気の狂った進歩を意味していて素晴しい。日本のiTunes Storeでもアルバムが購入できるようになり、この翻訳がドイツのロック音楽に興味を持つ人にとって少しでも役に立てばそれほど空しい作業ではなかったかもしれない。翻訳ファイルは、上のアルバム・バンナーをクリックしてPDFとしてダウンロード!


Dieses Jahr ・ 「この一年」

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Die vorerst letzte Japanischübersetzung eines Tocotronic-Albums! “Dô demo ii, kedo” als Download auf das obige Album-Banner klicken!

Inter Menses Februarium et Aprilem

In Tonke Dragts Erzählung “Die Türme des Februar” wacht der Ich-Erzähler T. ohne Gedächtnis an einem ihm unbekannten und geheimnisvollen Ort auf, ein Strand, an dessen Horizont sich zwei verlassene Wohnhochhäuser als Türme in den Himmel erheben. T. erinnert sich nur sehr dunkel an das, was er einmal gewesen ist, und doch fühlt er sich zu jenen Bauten auf unerklärliche Weise hingezogen, als wiesen sie ihn auf ein früheres Leben hin, als kämen sie und er aus der gleichen Welt.

Von Zeit zu Zeit geht es mir wie diesem T. und den Wohntürmen. Wenn ich in ein unbekanntes Viertel einer Großstadt komme, glimmt manchmal beim Anblick einer Straße oder eines bestimmten Gebäudes eine unsichere Erinnerung auf, das Bild einer ähnlichen Straße, einer ähnlichen Stadt, aber nur dunkel, mehr wie das Echo einer Erinnerung als die Erinnerung selbst. Ich glaube dann stets, dass dieses Bild und die Gemütslage, in das es mich versetzt, aus meiner frühen Kindheit nachhallen muss. Bei meinem letzten Besuchen in Berlin und Dresden erfuhr ich diese nebelhaften Flashbacks im Besonderen, und seit ich in Tôkyô lebe sogar noch häufiger. Außerhalb der Zentren, in den Randgebieten, wo keine fassadenfüllenden Kristallbildschirme und sprechenden Einschienenbahnen der Stadt die Erscheinung eines Science-Fiction-Sets verleihen, geben noch viele sich gegenseitig um Hässlichkeit überbietenden Straßen Zeugnis vom trostlosen Baustil des vergangenen Jahrhunderts. Wohnblöcke, geradlinig still vor sich hin bröckelnd, einem wirtschaftlichen Pragmatismus eher verpflichtet als den Menschen, die sie zu behausen haben.
Die Bilder in meinem Kopf stammen nicht von meinen ersten Besuchen in Tôkyô. Die Straßen und Gebäude, die dort halbdunkel und schlagartig aufblenden, sind europäisch, oder genauer gesagt osteuropäisch, denn die Atmosphäre deutet auf Mangel hin, besitzt die rostende Farblosigkeit, mit der ich den ehemaligen Ostblock verbinde, und die zerebrale Monotonie der endlosen japanischen Betongegenden überlagert sich mit diesen Rückblenden. Die Plattenbauten, welche an den wie für Soldatenumzüge zu breit gezogenen Boulevards stramm stehen, ergraut und abgelebt. Kahle Zweige spiegeln sich in nackten Fensterscheiben, hinter den Fensterscheiben der Muff von Blumentapeten und Einheitsküchen, deren Geruch ich zu erkennen meine. Ein Flachland, ein Herbstland. Eine Herbststadt, durch welche Zementpulver weht, die breitmäulig nach Fußgängern gähnt.

Obwohl im Sozialismus geboren, aber nicht aufgewachsen, verbinde ich aus welchem Grunde auch immer die hervorgerufen werdenden Bilder dieser entmenschlichten Wohnblocklandschaft mit meiner Kindheit, oder mit etwas – und das mag seltsam klingen – das noch fremder zurückliegt, außerhalb der meiner mir bekannten Biographie. Die Stadtlandschaft in meiner Erinnerung liegt, wie das frühere Leben von T., in einem anderen Land und einer anderen Zeit, scheinbar noch eher in einer Traumzeit, denn als dem, was man gemeinhin Vergangenheit benennt und verstaut. Vielleicht sind es Eindrücke von Städten von früher. Kurz nach der Wende besuchte meine Familie Berlin. Mit Mühe kann ich mir die damalige Stadtwohnung meiner Großmutter vergegenwärtigen. Es war ein großes Zimmer mit einem großen Tisch in der Mitte. Orientteppiche und verblasste Blumentapeten gab es sicher auch. Ich spielte mit unbekannten Spielsachen, DDR-Spielsachen, schaute mir DDR-Kinderbücher an. Es muss ein ganzer, endloser Sommer lang Berlin gewesen sein. Eines Tages war ich nicht in der Stadt, sondern bei der Datscha, die meine Großmutter und ihr Ehemann seitdem bewohnen. Ich sage Sommer, denn eines Tages stand der Wagen des Eismanns auf dem Sandweg der Datschensiedlung, und bevor ich meine Großmutter um fünfzig Pfennig für eine Kugel bat, vergewisserte ich mich sicherheitshalber, ob man hier auch mit dem gleichen Geld zahle, wie in Heidelberg. Es ist möglich, dass ich auf dieser Reise in dem Ostteil der Stadt die noch frischen Relikte der DDR-Architektur zu sehen bekam. Am Brandenburger Tor dehnte sich ein Flohmarkt mit zu Trödel gewordenen Gegenständen aus dem untergegangenen System aus, für welche um Westmark gefeilscht wurde: Sowjetische Ferngläser, Uniformschmuck, Offiziersmützen der NVA, Alltagsgegenstände. Und Mauerteile, aus hellem Beton, die schwer in der Hand lagen. Aus manchen der Bruchstücke stachen böse Metallgewinde. Ich meine sogar mich an die Mauer selbst erinnern zu können. Entlang der durchlöcherten Betonsegmente lasen wir zwischen dem aus dem rissigen Boden sprießenden Gras Bruchstücke auf. Mit einer weißen Schuhschachtel voller besprühter Teile kehrten wir zurück. Vielleicht war es auch auf dieser Reise, dass ich eine Eisenbahn sah, welche Wagon für Wagon vom Gegenlicht eingeschattete Panzer nach sich zog. Wir hatten in einer Kleinstadt Halt gemacht. “Gibt es jetzt Krieg?”, fragte ich die Erwachsenen. Dies sind Dinge, von denen ich relativ sicher bin, sie tatsächlich erlebt zu haben; doch wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, wie ich diese Schnipsel in die Kalender zu reihen habe. Sie liegen verstreut als aus Zusammenhängen abgeblätterte, zerflockt dahinschwirrende Einzelmomente meines Lebens. Kann sein, dass die Eisenbahn mit den Panzern durch Heidelberg fuhr. Kann sein, dass ich nie an der Mauer war. Kann sein, dass das Feilschen um Sowjetmemoralia Jahre später auf einer anderen Reise stattfand. Kann sein, dass es die Berliner Stadtwohnung nie gab.

AlexanderPlatz2

Berlin, Germany. Summer 2001

Welche meiner Erinnerungen sind erlebt, und welche nicht etwa von Photographien, Filmaufnahmen, Phantasiebildern aus anderen Winkeln meines Gedächtnisses untermengt?  Auch Träume erzeugen Erinnerungen. Die Welten, die beim Bücherlesen von selbst im Geist entstehen, die vielen Eindrücke aus Filmen, Zeitschriften, Videospielen und zufälligen Bildern des Alltags, auch sie sind im Gedächtnis. Weil ich all dieses immer schlechter von den tatsächlich erlebten Gedächtnisbildern auseinanderhalten kann, schleicht sich in das Konstrukt meiner persönlichen Geschichte unmerklich eine imaginäre Narrative ein. Selbst wenn mir das Erkennen dieser Erinnerungen aus zweiter Hand als solche gelingt, bin ich wehrlos gegen die emotionale Reaktion auf sie. Sie haben sich in die Grundwasser meiner Herkunft gemischt. Vielleicht lässt sich dadurch erklären, dass ganz bestimmte Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg Gefühle wecken, als wären sie Abbilder aus meinem eigenen Leben. Filme wie “Die letzten Glühwürmchen” und “Die Zuflucht”, Bücher wie “Maikäfer, flieg” usw haben vom Grundschulalter an meine Vorstellung von jener Zeit geprägt und das Nostalgieempfinden ihnen gegenüber ähnelt dem von meinen wirklichen Erinnerungen. Ebenso rufen das Atomkriegsszenario eines Filmes wie “Wenn der Wind weht”, den ich als Kind sah, Gefühle hervor, die so tun, als schöpften sie aus schon einmal da gewesenen Momenten. Sie haben auf der Landkarte meiner Biographie verborgene Zonen imaginierter Erinnerung enstehen lassen.

Wenn ich die abgelebten Hochäuser Tôkyôs sehe und sich die Flashbacks der sozialistischen Stadtlandschaft mit den Bildern des letzten und nächsten Weltkrieges aus dem Sud meiner Erinnerungen vermischen brodelt bildlos und latent eine Vorahnung in meinem Hals: Diese Stadt wird der Katastrophe anheimfallen.

Paris,

Paris01France, Paris. Early 2001

*

Meine früheste und sentimentalste Erinnerung an Paris ist jene an das Hotel, in dem mein Vater, meine Schwester und ich für ein paar Tage untergekommen waren, auf meiner ersten Frankreichreise vor sehr, sehr langer Zeit. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange es her ist, ich muss schon in der Grundschule gewesen sein und einiges vom Alphabet behalten haben, denn wenn ich aus dem Fenster des Hotelzimmers im dritten oder vierten Stock nach rechts schaute, leuchtete dort an der Fassade in rot aufeinander gestapelten Druckbuchstabenlampen das Wort HOTEL. Das konnte ich also schon lesen. Oder fast, das H hielt ich nämlich für ein R und bestand deswegen in der Diskussion mit meiner Schwester darauf, dass wir uns in einem “Rotel” befanden, und es zwei Arten von Gästeunterbringungsbetriebsarten geben müsse, eine mit H, die andere– man sei ja schließlich im fremdsprachigen Ausland – mit R.
Die zunehmend vergilbenden Erinnerungsbilder der damaligen Stadt, die ich in meinem brüchigen Gedächtniskino wie ein festgelegtes Sortiment an 8mm-Filmchen abspielen lasse, gleichen jenen gelbstichigen Photos vom New York der Prohibitionzeit. Schaute man aus dem besagten Fenster hinaus blickte man links und rechts auf eine von Autos rege befahrene Straße. Etwas Milchiges, Feuchtes, wie ein Schleier schien zäh an den ausgeblichenen Altbauten vorbeizuwabern und verschluckte das Ende der Straße in einem grüngelben Dunst. Die Luft ungesund durchdrungen von Zigarettenrauch, Autoabgasen, Küchendämpfen und anderen Äthern. Trotz dieser verträumten Atmosphäre dominierte der Eindruck einer geschäftigen Großstadt, vor allem durch den Verkehrslärm, der auch nachts zu hören war. Mir kommt es vor als sei dies hundert Jahre her.

Meine Schwester und ich lagen auf den grob gefertigten Metallstabbetten des Rotelzimmers, von dessen Wänden sich welke Tapete löste, und wir erörterten außer orthographischen Fragen auch die Kraftreserven des unglaublichen Hulk, dessen Zornanfälle im Fernsehen wir gebannt verfolgten. Ein grün bemalter Lou Ferrigno spielte damals den Comicwüterich. Wenn sich Bruce Banner in ihn verwandelte riss die Kleidung, färbten sich die Haare feuerrot, die Haut wurde so grüngelb wie die Pariser Straßen und die wilden Augen schienen aus dem Gesicht schießen zu wollen. Ich sehe ihn vor mir, in einer blaustichigen Landschaft, um ihn herum stehen rauchende Autos, liegen erschlagene Gegner, er schreitet untermalt von Achtzigerjahre-Synthesizermusik und nur mit einer zerissenen Jeanshose bekleidet in Zeitlupe der Kamera entgegen. Vor diesem unberechenbaren Gesellen, der äußerlich bis hin zu seiner luftigen Bekleidung einem Oni, einem japanischen Dämon, glich, fürchtete ich mich, konnte mich aber zugleich der Ausstrahlung, die von diesem faszinierendem Wesen ausing, nicht entziehen (vor allem weil die Fernsehkanäle zu Hause nichts über ihn brachten). Wir schauten Hulk abends zu, als die Stadt entspannt und beleuchtet dalag.

*

Woran ich mich außer der Straße, dem Rotel und Hulk doch noch erinnern kann, ist der Eiffelturm. Die begehbare Plattform ganz oben erschien selbst mir, einem kleinen Grundschüler, beengend. Die Besucher drängelten sich wie auf dem Ausguck eines Segelschiffes. Ein starker Wind trieb Wolken vor sich durch den blauen Himmel und zerwirbelte meiner Schwester das Haar (ich denke mir die Hälfte von dem allen beim Schreiben aus). Auch von oben gesehen lag die Stadt im Dunst. Der ganze Turm schien aus Gittern variierender Größe zusammengesetzt zu sein.
Hinterher ging es in ein Andenkengeschäft (als könne man solche wirklich kaufen), von welchem wir eine bronzefarbene Eiffelturmminiatur mitnahmen. Er passte auf die ausgestreckte Handfläche und man hätte ihn jemandem in die Brust bohren können, so bösartig war seine Spitze geformt. Erst Jahre später überwand ich mich, dieses grässliche Souvenir fortzuschmeißen.