Achtens) Begegnungen der Dritten Art

✴  Ein Bakterium stellt das wissenschaftliche Verständnis von Biochemie und lebenden Organismen auf den Kopf. Laut NASA scheint das Leben in extremen Umgebungen und auf anderen Planeten möglich.  ➔Link.

✴ Die Gesamtzahl der Sterne im Universum “ist wahrscheinlich dreimal größer als bisher erkannt.”  Ein Yale-Astronom sagt, dass es “möglicherweise Billionen von Erden gibt, die diese Sterne umkreisen”, was die Möglichkeit der Entdeckung außerirdischer Zivilisationen dramatisch erhöht.
➔Link.

Julian Assange: “Viele Spinner schreiben uns über UFOs. […] Bis jetzt jedoch haben sie unseren zwei Veröffentlichungsregulierungen nicht genügt. […] Es ist jedoch beachtenswert, dass in Teilen der Cablegate-Archive, die noch veröffentlicht werden, in der Tat Verweise auf UFOs sind.” ➔Link.

Dies sind drei der Nachrichtenfetzen, die man Anfang dieses Monats aufschnappen konnte. Ohne gemeinsamen Zusammenhang untereinander deuten sie indirekt auf die gleiche Möglichkeit hin: Dass wir nicht alleine sind im Weltall.
 Ich habe es bis heute nie klar und offen bekundet, doch ich glaube ziemlich fest an außerirdisches Leben. Auch wenn ich von Verschwörungstheorien á la Roswell so gut wie nichts halte, und auch nicht gänzlich von fliegenden Untertassen überzeugt bin.

Im Christentum spielt die Frage nach Leben im Weltall (verglichen mit der des Lebens nach dem Tod) eine mehr als untergeordnete Rolle. Es ist als blende man als Christ dieses Thema automatisch aus – Das Evangelium, “unser” Gott ist für Menschen da. Die Bibel mag an ihren funkigsten Stellen himmlische Seraphen, gyroskopisch fliegende Gottesthrone und die Ungeheuer des Abyssos kennen, doch bezüglich möglicher Nachbarn in Alpha Centauri schweigt sie.
Was mich von außerirdischen Zivilisationen überzeugt sind jedoch die alle Vorstellungskräfte übersteigenden Ausmaße des Universums, seine 170 Milliarden Galaxien, gesammelt aus hunderten Trillionen von Sonnen, also die rechnerische Wahrscheinlichkeit, dass es außer der unseren noch viele Milliarden andere Erden mit großartigen und abartigen Geschöpfen geben muss.
Es ist alles eine Frage der Statistik. Den Gedanken, dass ein allmächtiger Gott, dessen Wesen es ist, dem Leben in unendlicher Vielfalt Form zu verleihen, sich auf die Gegebenheiten eines einzigen Planeten beschränken sollte, finde ich schlichtweg nicht haltbar. Ich sehe das Weltall als seine gigantische Werkstatt, in der er dem Leben mannigfache Entfaltungpotentiale bereitstellt, ganz gleichgültig, ob diese je einander begegnen oder nicht. Dass wir in Gesellschaft ungezählter Nachbarn sind, die sich wie wir seit tausenden von Generationen der Poesie, der Mathematik und der Nautik widmen, erachte ich für mehr als wahrscheinlich, und dass einige davon uns zivilisatorisch um vielfaches überlegen sind, ebenfalls.

Mit der nicht einmal einhundert Jahre zählenden menschlichen Raumfahrt haben wir den Mond betreten und Kometenstaub gesammelt. Welches Können besitzen erst jene Sternenvölker, die seit Eintausend oder Zehntausend Jahren Astronautik betreiben? Wenn die intellektuelle wie technologische Diskrepanz zwischen uns und ihnen so groß ist wie die, sagen wir zwischen einer afrikanischen Steppentermite und dem Chefarchitekten des Burj Khalifa, dürfen wir getrost von der Existenz intergalaktischer Verkehrswege ausgehen, und davon, dass ihnen Raumschiffe, Warpportale, Zeitmaschinen und andere Magien zur Verfügung stehen, um gewaltige physikalische Hindernisse zu überwinden. Wir können nicht einmal ausschließen, dass bestimmte astronomische Phänomene, die wir beobachten, in Wirklichkeit gesteuert sind, dass hinter Gammablitzen und Sonnenbeben nicht etwa die großräumigen Pläne göttergleicher Astroingenieure stecken. Vielleicht experimentiert im Orionnebel ein Volk mit Stellargenese oder benutzt schwarze Löcher zur Kriegsführung. Vielleicht befinden sich Teile unserer Milchstraße unmerklich (weil als natürliche Prozesse kaschiert) im Umbau und die UFOs, die gelegentlich in Erscheinung treten, sind automatische Vermessungssonden.

Galaxy-NGC1300

Hier werden neue Sterne geboren: Die Balkengalaxie NGC 1300, 61 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.


Gesetzt den Fall, dass in der nächsten Zeit die Existenz außerirdischen Lebens (egal ob Marsmikroben oder galaktische Weltenzerstörer) von der Forschung oder Wikileaks enthüllt werden sollte, die Religionen wären  gezwungen, ihre Verständnisse von Gott und dem Menschen neu auszurichten. Das Christentum zählt mit seinen abrahamitischen Brüdern traditionell nicht zu den Religionen, die im Weltall den Lebenshauch Gottes  zu finden erwarten. Es würden sich grundlegende Fragen aufdrängen:
Hat das Universum einen großen Gott, der für Menschen wie Außerirdische gleich bedeutend ist – oder gibt es eine Klasse von Lokalgottheiten, die sporadische Schöpfungsakte dirigieren? Was unterscheidet Lebensformen mit göttlichen Potentialen (Manipulation von Naturgesetzen, gewaltige Energieressourcen usw) von Göttern? War der Urknall eventuell das Resultat einer hyperkosmischen Übung, so wie sie auf kleinerem Maßstab am schweizer Forschungzentrum CERN stattfinden? Wird Gott interplanetare Begegnungen dulden oder würden wir damit einen weiteren Sündenfall begehen? Oder sind wir als Spezies prädestiniert dazu, uns gemeinsam mit anderen fortzuentwickeln? Sollten wir dann außer ihrer Technologie auch ihre Philosophien und Religionen übernehmen, ja vielleicht sogar nach biologischer Verschmelzung streben? Welche Moral tritt in Kraft, wenn man, von Außerirdischen bedroht, sich gewaltsam verteidigen muss?
Am absurdesten ist hier die Frage nach dem Heil: Gilt der Sühnetod Christi exklusiv für die Menschen – oder gibt es auf anderen Planeten weitere Erlöser, Inkarnationen und Avatare Gottes, die die Sünden der jeweiligen Zivilisation auf sich nehmen müssen? Es ist interessanterweise die katholische Kirche, die zu diesem Thema Stellung bezieht. Der vatikanische Chefastronom Pater José Gabriel Funes schließt nicht aus, dass andere Lebensformen der Erlösung nicht unbedingt bedürfen, weil sie womöglich keinen Bruch mit dem Schöpfer erfahren haben.

Für die evangelikal-fundamentalistische Strömung des Christentums wäre dies alles ein herber Schlag: Neben der von der Erde als Ausgangspunkt des Universums abgeleiteten Sechstageschöpfung müsste auch ihr vorkopernikanisches Denken, in dem der Mensch doch mit dem Sündenfall maßgeblich das Schicksal des Universums beeinflusst, ja die Existenz von Tod und Verdammnis selbst in Gang gebracht hatte, und für den bereits das Ende der Welt und eine neue Erde und ein neuer Himmel auf dem Fahrplan stehen, wieder einmal als Kartenhaus zusammenklappen. Schlimmer noch: Warum hat die Bibel uns alles verschwiegen? Jesus muss doch sicher von den Außerirdischen gewusst haben? Wie können wir sie am Besten missionieren? Es würde vermutlich nicht lange dauern bis sich die Mehrzahl der fundamentalistischen Kirchen auch mit dieser Realität abfinden und sie in ihre Bibelbrezel biegen. Der Rest wird die Entdeckungen als satanische Täuschungsmanöver, oder als zu unsicher bzw. unbedeutend abtun.

“Die Himmel ja und die Himmel ob Himmeln fassen dich nicht”. Die Autoren der Bibel sahen Gottes Gegenwart und Kreativität als absolut. Ich persönlich hoffe, dass irgendwann einmal der Kontakt und die Begegnung mit Außerirdischen möglich ist. Es wäre für mich ein Beweis dafür, dass Gottes Wohlwollen dem Leben gegenüber das gesamte Universum durchdringt. Die Erde hinge ansonsten einsam in einer schön anzusehenden aber trostlosen Leere. Vielleicht werden wir uns erst in der Begegnung mit der kosmischen Mitschöpfung wirklich als Menschen erkennen, und die Stufen des Gottesbewusstseins, seiner Vergegenwärtigung, mit ihrer Hilfe etwas weiter erklimmen.


Wenn ich ansehe deinen Himmel, das Werk deiner Finger,
Mond und Sterne, die hast du gefestet,
was ist das Menschlein, daß du sein gedenkst?

Ein Abend mit dem UFO-Photographen Sakamoto Hiroshi

Ich hatte gestern schon gehofft, auf Ono Yôko zu treffen, aber die gestrige kleine Veranstaltung in der Galerie Raku in meiner Universität entlarvte sich als Mogelpackung – es handelte sich lediglich um eine Namensvetterin der Lennon-Witwe, eine Studentin, die unter dem Titel “Warum existieren UFOs?” zu einem surrealen, aber nicht unamüsanten Vortragsabend geladen hatte. Vier Gäste präsentierte die “falsche” Ono: Sakamoto Hiroshi, einen UFO-Forscher, seine Frau Mikie, den frankojapanischen Studienabbrecher Charles Menager, und sich selbst. Wie sich im Laufe des Abends herausstellte waren Charles und Yôko ein Paar und hatten offensichtlich längere Zeit mit Herrn Sakamoto verbracht.
Vor dem Vortrag konnte man sich mit den ausgestellten UFO-Photos von Charles und den Kinderzeichnungen von Herrn Sakamoto einstimmen. Bunte Bleistiftbilder zeigten frühe Kontakte mit amphibienartigen Raumschiffen, halbnackten Frauen, die metallenen Flugscheiben entsteigen, und anderen Wesen. In den folgenden zwei Stunden schilderten die vier Redner ausführlich ihre Begegnungen der Dritten Art, zwei Stunden, die mit zu den bizarrsten dieses Jahres gehörten. Charles hatte bei einem Flug nach Kambodscha einen Drachen erspäht, Ono Yôko stand eines nachts Auge in Auge einem grünäugigen Außerirdischen gegenüber, doch der Mittelpunkt des Abends bildeten die ausschweifenden Weltraumreiseberichte von Herrn Sakamoto.

Der 63jährige – noch vor der Geburt von der Hiroshima-Bombe verstrahlt – wurde seit seiner Kindheit von Außerirdischen besucht. Anfangs erschienen sie vorwiegend in Scheiben und monsterartigen Flugkörpern, dann stiegen sie auf Zylinder um. In letzter Zeit seien öfter Flugwürfel zu beobachten, von denen einige nur wenige Centimeter messen. Seitdem er 1950 das erste Mal mit außerirdischen Besuchern in Berührung kam, boten sich zahlreiche mehr oder weniger freiwillige Reisen zu fernen Planeten. Im Laufe der Zeit wurden ihm nicht nur große Mengen an kosmohistorischem Wissen ins Hirn geflößt (ein Prozess so intensiv, dass er ihn nur zwei Minuten aushalten konnte, ihm aber einen IQ-Wert von 200 bescherte), sondern auch ganze Organe ersetzt. Mit ausgetauschten Zellen ist sein Körper nun immun gegen Krebs, und sein Blut von unbekannten Stoffen durchsetzt. Da wunderte es auch nicht, dass es unter den Außerirdischen keine Krankheiten gibt und abgetrennte Gliedmaßen sofort nachwachsen.
Das Weltraumreisen ist allerdings kein Vergnügen. In den Raumschiffen gibt es zwar 1200 verschiedene Apparaturen, wie zum Beispiel Stoffumwandler und telepathische Steuerung, aber keine Sitzgelegenheiten. Während der Reisen pflegen die kleidungslosen Außerirdischen zu stehen, was für Menschen schnell unbequem werden kann (er selbst besitzt ein gigantisches Raumschiff, das von 1000 Außerirdischen gesteuert werden muss). Besonders für Männer ist das Sternenreisen erschöpfend, denn diese klassifiziert Sakamoto zu den niederen Lebensformen, Frauen dagegen gehören zu Lebensformen höheren Grades (hier klang ein leichter Rassismus an). Aus diesem Grund gibt es unter den Außerirdischen auch gar keine männlichen Exemplare. Kein Wunder also, dass er es oft mit weiblichen Humanoiden zu tun hatte. Darunter auch mit der legendären Herrscherin Himiko und deren Schwester, denn die Menschheit selbst stammt von den Außerirdischen ab, und sie verwenden – und das ist Glück für Herrn Sakamoto – im ganzen Universum Japanisch als Verkehrssprache. Sie sind also mitten unter uns, und um uns, benützen die Erde als Versuchslabor und beschützen sie zugleich (etwa mit Militärstationen auf dem Jupiter), denn nichts ist den extraterrestrischen Zivilisationen so wichtig wie das Leben an sich.
Es hatte allerdings auch Pläne gegeben, die Erde zu “rekonstruieren”. Auf der neuen Erde hätte sich die Zahl der Menschen auf wenige Millionen beschränkt, aber auf Sakamotos Bitten hin ließen sich die Außerirdischen umstimmen. Als Ersatz wurde im Mittelpunkt unserer Galaxie eine zweite Erde errichtet, auf die bereits zwei Millionen Leute umkolonisiert wurden. 50% davon seien Juden, der Rest Amerikaner, Russen, Franzosen und Engländer. Japaner seien noch keine dort. Da fällt mir auch folgender Moment ein:

Sakamoto: Alle Kunst wurde den Menschen von den Außerirdischen beigebracht.
Charles: Die großen historischen Personen sind dann auch mit Außerirdischen im Kontakt gewesen… Leonardo da Vinci, Picasso…
Yôko: … Hitler!
Sakamoto: Ich habe Hitler getroffen. Er lebt auf einem Stern mit sehr vielen Juden zusammen.

Ein wenig erinnerten Sakamotos Abenteuer an die Mondfahrt des Barons von Münchhausen. Doch wegen der Ernsthaftigkeit seiner Frau und ihm gab ich einen wissenschaftlich fundierten Widerspruch rasch auf und genoss die Geschichten als Geschichten. Von Dinosauriern, die in Wahrheit behaart waren, von Subraumtunnels, die das Reisen über kosmische Distanzen ermöglichten, von Diamanten, die auf fernen Müllhalden lagerten und er in seiner Vorliebe für Kristalle mitgehen zu lassen versuchte, von Pyramiden, Flying Rods, Schweinegrippe, Roswell, usw usf.
Schließlich habe er auch nach Gott Ausschau gehalten. Die landläufig bekannten Götter und Buddhas seien alle außerirdische Lebewesen der Superklasse und zählten deswegen nicht. Da er den wahren Gott in diesem Universum nicht finden konnte, sei er in das nächste gereist, und von dort in einhundert weitere Paralleluniversen. Dort fand er ein frisch-geborenes Universum kurz nach dem Urknall vor, nicht aber Gott, weswegen er seine Existenz bestreite. Im übrigen brauche niemand Angst vor den Aliens zu haben. Wer ein reines Herz habe, könne sie sehen. Herr Sakamoto schloss damit, dass die Außerirdischen der Superklasse durch extreme Kopflastigkeit ein langweiliges Leben führten und die Erde ein wunderbarer Ort sei, denn Fernsehen, Unfälle und Kriege trügen zur Abwechslung bei.
Gegen Schluss war es Zeit für Videoaufnahmen von Sakamoto und Charles. Man sah flackernde Lichtpunkte in der Dunkelheit und Sonnenlicht reflektierende Insektenschwärme. Unscheinbare Aufnahmen von Flugzeugen, Helikoptern, Vögeln zählten als UFOs, die zur Tarnung ihre Form verändert hätten. Die Experten erfreuten sich insbesondere an Pixelstörungen des Videomaterials, die sie kurzerhand zu “digitalen Lebensformen” und UFOs des Würfeltyps umerklärten. Sakamotos Panasonic-Kamera hatte ganz offensichtlich Unmengen an UFOs aber noch keine Reinigungskassette von Nahem gesehen.
Wer dachte, dass sich der bizarre Abend nicht mehr steigern ließe, wurde bei der kurzen Fragerunde eines besseren belehrt. Im Publikum befanden sich fünf bis sechs Zuhörer, die ebenfalls etwas gesehen hatten. Ein Hippiemädchen ergriff die Gelegenheit, ihr einziges UFO-Photo umherzureichen. Ein filzig-langhaariger Mittvierziger in orangenen Jeans stellte sich als hauptberuflicher Schaman vor und fühlte sich mit seinen UFO-Sichtungen hier gut aufgehoben. Ein ebenso langhaariges Mädchen fragte, wie sich die Außerirdischen fortpflanzten, wenn es nur weibliche gebe. Dies sei durch Austausch von DNA problemlos möglich, antwortete Sakamoto. Das verhindere jedoch keinen Geschlechtverkehr, er selbst hatte mit 10 000 verschiedenen Spezies Sex  gehabt. Als kosmischer Weltenretter muss man auch zu Opfern bereit sein.

Es war ein unterhaltsamer Abend voller interstellarer Abenteuer, den uns Fräulein Ono Yôko beschert hatte. Meine Freundin und ich schauten uns noch ein paar der Photos an und verließen die essenden Gäste. Charles Vater hatte Pfannkuchen vorbereitet.

Sakamoto Hiroshi besitzt ein Blog.